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von einem alten Chinesen wird erzählt, dass er auf seinem Weg ein junges, hübsches Mädchen traf. Er blieb stehen, schaute es wohlgefällig an, verbeugte sich und fragte: „Wie alt bist du, schönes Kind?“ Das Mädchen errötete und sagte, sich ebenfalls verbeugend: „Ich bin siebzehn.“ „Du bist schön, und du wirst viel Freude am Leben haben. Aber sei nicht traurig, dass die Jahre schnell vergehen und mit ihnen deine Jugendschönheit. Wenn du aus der Güte lebst, wirst du im Alter schön sein in der Reife und Würde deiner weißen Haare. Das Mädchen verbeugte sich vor dem Alten, und jeder ging seines Weges.

Später traf der Alte eine schöne Frau, die ein Kind an der Hand führte. Er begrüßte sie und sprach: „Es ist ein schöner Tag heute, so schön wie dein freundliches Antlitz. Du stehst auf dem Gipfel deines Lebens. Sicher hast du die Dreißig überschritten. Es sind nur noch viele oder wenige Jahre, und du wirst das Ziel deiner Wanderung erreicht haben. Lebe jeden Tag bewusst und dankbar und mit dem Willen, über dich selbst hinauszuwachsen zur vollen Reife und Beglückung des Alters. Dann werden deine Kinder und Kindeskinder und die Nachbarn in Ehrfurcht zu dir aufblicken und deinen Worten lauschen.“

Schließlich begegnete der weise, alte Mann einer weißhaarigen Frau, die auf einer Bank saß und in die untergehende Sonne schaute. Ihr Gesicht war von Falten durchfurcht, der Mund zahnlos. Der alte Mann blieb stehen und verbeugte sich vor der Greisin, so tief er konnte und sprach: „ Ich beglückwünsche euch. Ihr seid fast am Ende eures Weges und habt das Ziel fast erreicht. Ihr tragt die Fülle des in achtzig Jahren Erlebten in euch. Von euch strahlt Ruhe, Gelassenheit, Güte, Duldsamkeit, Weisheit und Würde aus. Weil ihr über euch hinausgewachsen seid, sind jetzt eure geringen Handlungen und eure wenigen Worte ähnlich den Zeichen des Himmels.“ Er setzte sich zu der Alten auf die Bank und schaute mit ihr in die untergehende Sonne.

Ich wünsche mir und uns allen ein Stück mehr Gelassenheit in unserem Leben. Und dass wir nicht einem fragwürdigen „Jugendwahn“ verfallen, der auch nicht weiterhilft. Weiter im Leben kommen wir vielmehr, wenn wir den Kern dieser wunderbaren Geschichte auf unsere Lebenssituation zu übertragen versuchen.

Ihr / Euer Pfarrer Thomas Mallschützke

 

           

 


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