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 TV-Gottesdienst Stadtkirche Borna zu Lätare 2020

 

Jesus Christus spricht:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Liebe Gemeinde,
es ist schwer, alles übereinander zu kriegen.

Wenn ich in unseren Garten gehe, dann sehe ich, dass in der Natur alles seinen Gang geht. Es wird Frühling. Knospen fangen an, sich zu entfalten. Junges Grün wagt sich noch sachte aus der Erde. Vögel singen.

Die Bauern sind auf ihren Feldern unterwegs. Säen und Pflanzen wird vorbereitet. Es ist die Zeit dazu. So, wie es sein soll. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht, heißt es in der Bibel (1. Buch Mose 8,22).

Doch unter uns geht überhaupt nichts seinen Gang. Es ist Ausnahmezustand. Die größte Herausforderung für unser Zusammenleben seit dem 2. Weltkrieg, sagt die Bundeskanzlerin, und sie hat recht. Mag uns manches noch unwirklich erscheinen, doch die Auswirkungen sind längst real. Inhaber von kleinen Geschäften wissen nicht, wie es weiter geht. Menschen haben Angst. Und in den Krankenhäusern spitzt sich die Lage zu.

Es ist ein Ineinander von normal und völlig ohne jeden Vergleich – schwer, damit klarzukommen.

Doch so ist das Leben, oder zumindest: so kann unser Leben sein. Der Sonntag heute heißt mit seinem lateinischen Namen „Lätare“. Freuet euch! Und das mitten in der Passionszeit, in der Christen das Leiden und Sterben von Jesus bedenken und begehen. Freude, Leid und Tod – sie sind in unserem Leben nie klar voneinander geschieden. Und manchmal kommt so viel zusammen, dass es unser Verstehen, aber auch unser Fühlen übersteigt.

Jesus setzt mit seinem Bild vom Samenkorn da noch eins drauf. Tod und Leben kommen da zusammen, ja sind unauflöslich miteinander verschränkt. In unzähliger Zahl werden sie auf den Feldern ausgebracht, die Samenkörner, und für jedes von ihnen gilt, was Jesus von ihnen – und damit auch von sich selbst – sagt:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Nur der Tod des Samenkorns bringt neues Leben. Frucht, die viel mehr ist als das vereinzelte Korn jemals war. Frucht, aus der Brot werden kann. Brot des Lebens. Für viele.

Wir lernen gerade, mit der Corona-Krise irgendwie zu leben. Wir hoffen darauf, dass es gut ausgehen möge. Jeder und jede von uns kann dazu seinen Beitrag leisten. Helfen Sie mit, dass das gelingt. Bleiben Sie, wann immer möglich, zu Hause!

Doch wir fragen uns auch, ob da nicht noch tiefergehende Lehren sind, die wir aus diesem Ausnahmezustand mitnehmen sollen. Noch ist es zu früh, darauf eine klare Antwort zu geben. Auch da lernen wir von Tag zu Tag dazu. Doch mit Blick auf unseren Bibeltext für heute liegt ein Gedanke sehr nahe. Wir alle sind gefragt, in unserem Leben etwas anders zu machen. Umzukehren, sagt dazu die Bibel. Unter uns hat sich ein Gedanke verbreitet, der von vielen, und oft auch von uns selber genährt wird. Der Gedanke, dass es ein Leben ohne Konsequenzen gäbe. Leben pur. Das volle Programm. Ohne Einschränkungen. Ich zuerst.

Jesus sagt etwas anderes. Er sagt es nicht nur, sondern er lebt es vor. Dass ich leben kann, hat auch etwas damit zu tun, dass andere etwas geopfert haben. Und mein Leben ist immer auch ein Leben für andere. Auch ich bin gefragt, zurückzustecken, damit andere leben können. Diese Wahrheit scheint in dem Bild vom Samenkorn auf, das sterben muss, damit es viel Frucht bringt Wir alle können nur leben, weil andere sich für uns aufopfern, und weil wir selber Opfer auf uns nehmen.

Wo wir aus dieser Wahrheit heraustreten, begeben wir uns auf den Weg des Todes. Doch Gott will für uns alle den Weg des Lebens, und deshalb lebt Jesus diese Wahrheit vor. Und opfert sich. Für andere. Für uns.

Es ist Zeit, zu dieser Wahrheit wieder umzukehren. Wann, wenn nicht jetzt, erfahren wir diese Wahrheit am eigenen Leib!? Leben unter uns kann es nur geben, wenn wir verzichten. Wenn wir es auf uns nehmen, dass etwas von uns sterben wird. Pläne, die ich gemacht habe. Vorhaben, die ich verfolgt habe. Freuden, die ich mir schon ausgemalt hatte. Ein Teil von uns muss sterben, damit andere, damit wir alle leben können. So ist das Leben. Und so gelingt Leben. Auf diesem Weg, der auch Opfer mit sich bringt, werden wir die Fülle des Lebens erfahren. Werden wir Frucht bringen, wie wir es allein für uns niemals hätten tun können.

Wir dürfen die Krise nicht schönreden. Wir haben Sorge um das Leben vieler Menschen, und um die Kraft derer, die für unsere Gesundheit da sind und sich einsetzen. Wir dürfen unsere Sorgen und Bitten im Gebet vor Gott bringen. Jeder kann das tun, auch zu Hause.

Doch wenn wir in dieser Krise stärker als sonst den Ruf zur Umkehr hören, dann sollen wir ihm folgen. Wann, wenn nicht jetzt!? Keiner lebt für sich allein. Sei bereit, etwas von dir einzusetzen, damit andere leben können. Sei bereit für den Weg Jesu. Denn er sagt: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Amen.

 

           

 


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