Entworfen von Jens Staude (Musik) und Pfarrer Reinhard Junghans (Texte)

 

(1) Regiehinweise für die Hausandacht:

Der Liturg leitet die Hausandacht. Die Texte können von verschiedenen Personen vorgetragen werden.

Wenn es die musikalischen Möglichkeiten gibt, kann mit einem Musikstück begonnen und abgeschlossen werden. Die Gesangbuchlieder sind vorzugsweise zu singen, aber können auch gemeinsam gelesen werden. Die vorgeschlagenen Lieder können auch durch andere ersetzt werden. Der Psalm kann von einer Person, aber auch im Wechsel oder von allen gemeinsam gebetet werden. Der Ruf des Kyriegebets kann ebenfalls gesungen oder gesprochen werden.

 

BEGRÜßUNG

Liturg: Der Friede Gottes sei mit euch.

Hausgemeinde: und mit deinem Geist.

Liturg: Der Sonntag Judika geht auf das Psalmwort „Gott, schaffe mir Recht“ (Psalm 43, 1) zurück. Diese Aussage klingt egoistisch. Geht es aus christlicher Sicht nicht auch immer um das Recht der anderen? Jesus gibt mit dem heutigen Wochenspruch (Matthäus 20, 28) eine interessante Antwort. Er richtet den Blick auf das Dienen. Natürlich meint er nicht das sklavische Dienen. Die folgenden Texte setzen Impulse, in welche Richtung Jesus denkt.

 

LIED Evangelisches Gesangbuch (EG) 445, 1-5

„Gott des Himmels und der Erden“

 

PSALM 43 = Evangelisches Gesangbuch (EG) 724 (Wochenpsalm)

Gott, schaffe mir Recht

und führe meine Sache wider das unheilige Volk

und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

Denn du bist der Gott meiner Stärke:

Warum hast du mich verstoßen?

Warum muss ich so traurig gehen,

wenn mein Feind mich dränget?

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten

und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

dass ich hineingehe zum Altar Gottes,

zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,

und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Alle: Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie es war im Anfang jetzt und immerdar.

 

EVANGELIUM für den Sonntag Judika Markus 10, 35-45

Da gingen zu Jesus Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen zu ihm:

Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden. Er sprach zu ihnen: Was

wollt ihr, dass ich für euch tue? Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner

Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr

wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen

mit der Taufe, mit der ich getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber

sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit

der Taufe, mit der ich getauft werde; zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken,

das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.

Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus

sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder,

und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß

sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll

aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen

lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

 

LIED Evangelisches Gesangbuch (EG) 97

„Holz auf Jesu Schulter“

 

APOSTOLISCHES GLAUBENSBEKENNTNIS (EG 804)

Ich glaube an Gott, den Vater, / den Allmächtigen, /

den Schöpfer des Himmels und der Erden.

Und an Jesus Christus, / seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, / empfangen durch den

Heiligen Geist, / geboren von der Jungfrau Maria, / gelitten unter Pontius Pilatus, / gekreuzigt,

gestorben und begraben, / hinabgestiegen in das Reich des Todes, / am dritten Tage auferstanden

von den Toten, / aufgefahren in den Himmel; / er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen

Vaters; / von dort wird er kommen, /

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, / die heilige christliche Kirche, / Gemeinschaft der Heiligen,

/ Vergebung der Sünden, / Auferstehung der Toten / und das ewige Leben.

Amen.

 

AUSLEGUNG zum Wochenspruch Matthäus 20, 28

Jesus spricht: Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass

er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.

 

Liebe Hausgemeinde,

in unserer Welt ist es eher so: Menschen, die sich für bedeutend halten, sind der Meinung,

andere müssen für sie da sein, für sie arbeiten und sie unterstützen. Schließlich kann man ja nur

so auch entsprechende Hochleistung bringen. Wer keine Unterstützer hat oder nicht richtig vernetzt

ist, hat doch kaum Chancen, etwas aus seinem Talent zu machen.

Jesus denkt da völlig entgegengesetzt. Gerade im Dienen kommt die Größe eines Menschen

zum Ausdruck. Im unmittelbaren Text zuvor sagt er zu den Jüngern, die sich für bedeutender

halten als die anderen: „... wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter

euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, ...“ Jesus stellt diese Forderung nicht nur gegenüber

seinen Jüngern auf, sondern geht in dieser Frage auch als Vorbild voran. Eine klassische

Geschichte dazu ist die Fußwaschung der Jünger durch Jesus.

Der eine oder andere kennt bestimmt Menschen, die haben ihr ganzes Leben gedient. Sie

haben sich für ihre Familie eingesetzt, haben es versucht, immer allen recht zu machen. Kaum

sind sie eigenen Interessen oder Hobbys nachgegangen. Wenn mir solche Geschichten beim

Trauergespräch – übrigens vorzugsweise von Frauen - erzählt werden, sind die Hinterbliebenen

einerseits sehr dankbar für das Erlebte und andererseits sind sie doch auch etwas traurig wegen

verpasster Möglichkeiten. Sie hätten ihrem Verstorbenen auch gern einmal gedient, aber da war

nicht so wirklich ein rankommen. Oder sie hätten sich gewünscht, der Verstorbene hätte auch

einmal stärker seine Begabungen weiterentwickelt. Wir merken, mit dem Dienen ist es am Ende

komplizierter.

Es entwickelt sich mitunter auch ein Standesdünkel selbst bei sonst sehr hilfsbereiten Menschen.

Wenn sie diesen oder jenen Beruf ausüben, dann müssen sie die vermeintlich niederwertigen

Arbeiten nicht ausführen. Lieber sehen sie zu, wie es verdreckt, oder lassen ihren Körper

träge werden, als einfach einmal bei schlichten Arbeiten mit anzupacken. Wir merken, mit dem

Dienen ist es am Ende ambivalent.

Welche Intention verfolgt nun Jesus mit seinen Vorstellungen vom Dienen?

Jesus geht es keinesfalls darum, irgendwelche dienenden Abhängigkeiten herzustellen oder

zu rechtfertigen oder gar Menschen infolge seines Anspruchs des Dienens bis zur Selbstaufgabe

auszunutzen. Bei Jesus geht es nicht um das Dienen um des Dienens willens, sondern mit dem

Dienen soll neues Leben ermöglicht werden.

Unter dieser Perspektive verbietet sich ein Dienen, das nur zum Vorteil einer Person ausgenutzt

wird. Aber ein Dienen, das andere Menschen zu sich selbst führt, ihre Begabungen befördert,

ihnen Freiheit gibt, eben selbst auch wiederum anderen zu dienen, ein solches Dienen

wünscht sich Jesus.

Er selbst wird den Weg durch den Tod hindurch nicht scheuen, damit andere Menschen

versöhnt vor Gott und den Menschen leben können. Wer mit Gott und seinen Mitmenschen

versöhnt ist, wird eine angemessene Form des Dienens für sich finden. Dann wird Dienen ein

Geben und Nehmen für alle Beteiligten sein und segensreich wirken.

Amen.

 

LIED Evangelisches Gesangbuch (EG) 79

„Wir danken dir Herr Jesu Christ“

 

FÜRBITTENGEBET mit Kyrieruf (EG 178.11)

Barmherziger Gott,

wir danken dir für alles Gute, das wir erfahren konnten, für alle Bereicherungen unseres Lebens,

die du uns geschenkt hast. So bringen wir unsere Anliegen vor dich und vertrauen auf deine

Barmherzigkeit.

 

Wir bitten dich, erhöre unser Rufen in unserer Not, wir brauchen deine Vergebung, wir brauchen

deine Hilfe und deinen Trost.

Herr, wir rufen zu dir.

Hausgemeinde: Herr, erbarme dich, erbarme dich. Herr, erbarme dich, Herr erbarme dich.

 

Wir bitten dich, stärke die Menschen, die sich für die Gesundheit anderer Menschen einsetzen

und mitunter dabei ihre eigene Gesundheit gefährden. Lass die Verantwortlichen in Politik,

Gesellschaft und Wirtschaft aufeinander zugehen, damit die Fragen der Gesundheit mindestens

genauso beachtet werden, wie der Wille erfolgreiche Wirtschaftsbilanzen vorzulegen.

Herr, wir rufen zu dir.

Hausgemeinde: Herr, erbarme dich, erbarme dich. Herr, erbarme dich, Herr erbarme dich.

 

Wir bitten dich um deinen Heiligen Geist, dass er uns die Augen öffne für deine Zeichen in

unserer Gegenwart und wir Glaubenskraft finden, uns auch in schwierigen Situationen zu dir

zu bekennen und die uns anvertrauten Gemeinschaften lebendig und offen zu gestalten.

Herr, wir rufen zu dir.

Hausgemeinde: Herr, erbarme dich, erbarme dich. Herr, erbarme dich, Herr erbarme dich.

 

Wir bitten Dich für alle, die sich in einer komplizierten Lebenslage befinden, schenke ihnen die

rechte Entscheidung, die sie später nicht bereuen müssen.

Herr, wir rufen zu dir.

Hausgemeinde: Herr, erbarme dich, erbarme dich. Herr, erbarme dich, Herr erbarme dich.

 

Schenke allen, die hier leben und wirken ein gutes Gelingen bei all ihren Vorhaben und eine

solide Gesundheit. Lass Gutes aus dem hervorgehen, wofür wir uns einsetzen.

Herr, wir rufen zu dir.

Hausgemeinde: Herr, erbarme dich, erbarme dich. Herr, erbarme dich, Herr erbarme dich.

 

Herr, wir vertrauen auf deine Verheißungen und auf deine Liebe.

Lasst all unsere weiteren Anliegen, Sorgen und Bitten, mit in das Gebet hineinnehmen, das uns

Jesus Christus gelehrt hat:

 

VATER UNSER

Vater unser im Himmel. / Geheiligt werde Dein Name. / Dein Reich komme. / Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden. / Unser tägliches Brot gib uns heute. / Und vergib uns

unsere Schuld, / wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. / Und führe uns nicht in Versuchung,

/ sondern erlöse uns von dem Bösen. / Denn dein ist das Reich und die Kraft / und die

Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

SEGEN

Liturg: Der Herr segne und behüte uns, er lass sein Angesicht leuchten über uns und schenke

uns seinen Frieden.

Hausgemeinde: Amen.

 


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