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Brücken haben was, finde ich. Ganz gleich in welcher Gestalt. Ob historisch mächtig, architektonisch faszinierend, bedeutend oder gar nur ein wackeliges Brett an der richti-gen Stelle über einen Bach. Was wäre, wenn es sie nicht gäbe?

Brücken haben was. Die auf unserem Titelbild auch. Sie befindet sich im chinesischen Nationalpark Zhangjiajie, ist 430 Meter lang und ihre Bodenplatte ist aus Glas. Sie führt 300 Meter über eine abgrundtiefe Schlucht. Nach der Eröffnung musste sie gleich wieder geschlossen werden. Wegen Überfüllung. Das Interesse am Nervenkitzel ist groß. Inzwischen wird sortiert und es sollen sich oft lange Schlangen auf beiden Seiten bilden.

Eine Brücke ist aber auch ein Sinnbild. Für etwas, was in Beziehung steht und verbun-den sein sollte. Nicht nur Orte, auch Ansichten, Handlungen, Menschen.

Brückenbauer, das ist ein wunderbarer Beruf. Auch der Papst (Pontifex Maximus) wird so genannt. Doch jeder Pfarrer, ja jeder getaufte Christ sollte sich auch als Brückenbau-er zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch verstehen, was er von der „anderen Seite“ erfahren, erlebt und begriffen hat, vermitteln.

Über 20 Jahre gehör(t)e ich als Pfarrer und Superintendent zur christlichen „Brückenbaubrigade“ in Borna und darüber im Leipziger Land. Für mich und meine Familie eine wunderbare Zeit. Auch mit Anstrengungen, auch mit Schmerzen und Ent-täuschungen. Wohl kein Menschenleben bleibt davon verschont. Mit wieviel wunder-baren Menschen konnten wir lachen, leben, fragen, Freundschaften knüpfen, in schwe-ren Zeiten nach Trost und nach Antworten suchen. Was wurde nicht alles verbunden und auch wieder aufgebaut, wenn es eingerutscht oder eben verschlissen war. All das geht nur gemeinsam.

Ich bedanke mich auch an dieser Stelle ganz herzlich bei Ihnen allen, den Gemeinde-gliedern, aber auch allen anderen, denen Kirche mit ihrem Personal eigentlich nicht so nahe steht, für alle Freundlichkeit. Und ganz besonders meinen lieben haupt- und eh-renamtlichen Mitstreitern, meiner Familie und all denen, ohne die man eine Brücke alleine höchstens aufmalen könnte.

Wem ich im Eifer des „Gefechts“ oder weil ich es nicht besser vermochte, wehgetan habe, bitte ich ehrlich um Verzeihung. 20 Jahre sind eine lange Zeit. Man kann das Erreichte, aber auch das Versäumte aufzählen. Beides ist eine Menge. Beides kann ich nur der Gnade unseres Gottes anbefehlen

Doch wenn die gebaute Brücke eine kurze oder längere Weile sogar hält, hilfreich ist und nicht gleich wieder einfällt, spürt jeder Brückenbauer, so klug oder fleißig er auch gewesen sein mag, dass es ohne den Segen Gottes gar nicht geht.

Den wünsche ich Ihnen persönlich, unserer Kirchgemeinde und der Stadt Borna, auch im Namen meiner Frau von Herzen. Suchen Sie bitte weiter das Verbindende, was es zu verbinden gilt, schlagen Sie Brücken und bleiben Sie behütet.

Ihr Sup. Matthias Weismann